Die 4. Ausbaustufe
Vorstellung am 15. September 2006 in Hettingen

 

Vorstellung

Der gemeinnützige eingetragene Verein „Museumsstraße Odenwald“ (vorher „Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus“) feiert 2006 sein 25jähriges Bestehen.
Dies nimmt der Verein zum Anlass, eine kurze Rückschau zu halten, vor allem aber die 4. Ausbaustufe der "Museumsstraße" den Teilnehmern der Veranstaltung vorzustellen und einen Ausblick zu geben.

Die "Museumsstraße Odenwald" ist noch immer einmalig in Deutschland. Sie umfasst als Kerngebiet den Neckar-Odenwald-Kreis, reicht aber auch in Gebiete des Taubergrunds, des bayerischen Odenwaldes, des Neckartales bis an den Ostrand des Rhein-Neckar-Kreises.

Der wesentliche Zweck des Vereins ist der Erhalt historischer, vor allem sozialhistorischer Bauwerke, Anlagen und Gegenstände, deren volkskundliche Erschließung und ihre Darstellung auf Informationstafeln vor Ort. - Mit der 4. Ausbaustufe umfasst die "Museumsstraße" 28 Stationen mit interessanter Vergangenheit.

Mit der 4. Ausbaustufe ist die Museumsstraße auch im weltweiten Netz dargestellt. Die Website macht neugierig und ersetzt nicht den Weg zu den 28 Informationstafeln zwischen Taubergrund und Neckartal. Die Adresse lautet: www.museumsstrasse-odenwald.de.

Der Gründungsvorsitzende Manfred Pfaus (bis 1992 Landtagsabgeordneter, seit 1990 Hauptgeschäftsführer der Ingenieurkammer Baden-Württemberg) berichtete in der Veranstaltung, dass die 28 Stationen von Touristen, Volkskundlern und Historikern vorzüglich angenommen werden.

Der an der Veranstaltung teilnehmende Minister für den Ländlichen Raum, Peter Hauk, MdL, würdigte die Museumsstraße als wichtigen Bestandteil der kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Badischen Odenwald. Die Zukunftsgestaltung des ländlichen Raumes beinhalte auch die Aufarbeitung der Kultur- und Sozialgeschichte. Heimat bekommt von da erfahrbare (im wahrsten Sinne des Wortes) Gestalt.

 

Die "Museumsstraße Odenwald"

Die Museumsstraße besteht seit 1981. Sie wurde als "Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus“ von dem damaligen Landtagsabgeordneten Manfred Pfaus (Buchen-Hettingen) und dem Forstdirektor Herbert Müller † (Walldürn), in Verbindung mit dem damaligen Walldürner Bürgermeister Robert Hollerbach begründet.

Das Vorhaben wurde und wird weiter unterstützt durch zahlreiche Gemeinden im Neckar-Odenwald-Kreis, durch diesen Kreis selber, durch das Regierungspräsidium Karlsruhe, durch die Forstverwaltung, den Naturpark Neckartal-Odenwald, die Landwirtschaftsverwaltung, durch Denkmalpflege und Fremdenverkehrsverbände, nicht zuletzt durch die »Badische Heimat« und den Verband der Odenwälder Museen und Sammlungen. Presse, Funk und Fernsehen haben die Idee verbreitet und weitere Institutionen und Einzelpersonen zum Mitmachen animiert.

 

Idee und Konzept

Die Institutionalisierung einer Museumsstraße. wie sie heute noch einmalig in der Bundesrepublik Deutschland ist, stand zu Beginn einer Bewegung. die die historischen „Schätze“ der näheren Heimat unter neuen Blickwinkeln aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen sich bemühte. Nicht zum Selbstzweck, sondern mit der Zielrichtung, ein jedermann verständliches, unterhaltsames und mit dem Aufenthalt in der freien Landschaft verbundenes Freizeit- und Bildungsangebot zu machen. Sowohl Einheimische als auch Touristen sollten damit angesprochen werden.

Es war eine Zeit, in der man zu begreifen begann, dass nicht nur Schlösser und Burgen, große Städte und Stätten zum wichtigen Kulturerbe gehören, sondern gerade auch das anscheinend unscheinbare Sachzeugnis auf dem „flachen Lande“, das seine Entstehungs- und Nutzungsgeschichte über das Alltagsleben breiter Bevölkerungskreise und damit viel erzählen kann.

Die "Museumsstraße" eröffnet die Möglichkeit, vor Ort das dynamische Spannungsfeld zwischen Kulturwandel und kulturellem Erbe unter den Gesichtspunkten der Denkmalpflege und der Bildung sichtbar und erlebbar zu machen und zugleich Kultur- und Denkmalpflege zu betreiben.

Der Dorfbrunnen, die Wegekapelle, das Steinkreuz, die Schmiede, der ländliche Bahnhof, die Schifffahrt - kurz, ein breites Spektrum ländlicher Sachzeugen wurde aufgespürt und zu einem Netz besuchenswerter Stationen zusammengefasst. Zu diesem Zweck hatte sich der Verein gegründet. Erläuternde Tafeln wurden aufgestellt, deren Inhalte auf intensiven Recherchen bei den Eigentümern der Stationen und in Archiven beruht.

 

Einbindung in den Naturpark Neckartal-Odenwald

Der Badische Odenwald ist ein Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald, der im Jahre 1980 mit Sitz in Eberbach gegründet wurde. Nach den Zielsetzungen der Naturpark-Arbeit soll die dortige Landschaft in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten und zu einem naturnahen Erholungsgebiet ausgestaltet werden.

Dabei macht eine ehrliche begriffliche Klärung notwendig, dass es seit dem Auftauchen des Menschen in Europa hier keine Urlandschaft, sondern nur eine von eben diesem Menschen in Jahr-hunderte langer Nutzung der Natur geschaffene Kulturlandschaft gegeben hat. - Spätestens hier ist die gedankliche Verbindung der Naturpark-Idee mit den Zielen der "Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus" erkennbar.

 

Wandel

Der Themenbereich war zunächst mehr auf das Aufsuchen von traditionell dörflich-bäuerlichem eingeschränkt, wurde dann aber in Stufen immer weiter ausgedehnt. Der Wandel muss mit dokumentiert werden. Die Darstellung des Wandels überhaupt ermöglicht erst zu begreifen, wie es vom Gestern zum Heute kam. Denn Leben im ländlichen Raum und im heutigen, vielfach urbanisierten Dorf, bedeutet schon lange nicht mehr dörfliches Leben im traditionellen Sinn.

Dieses hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr aufgelöst und selbst die moderne, längst hoch technisierte Landwirtschaft ist zunehmend auf dem Rückzug. So galt es, Objekte zu erschließen, die das gesamte Leben im ländlichen Bereich umfassen; und zwar grundsätzliche bis in die Gegenwart hinein.

 

Vierte Ausbaustufe 2006

Die 4.Ausbaustufe, die Mitte 2006 eröffnet wurde, ging diesen Weg konsequent weiter: Mit der Aufnahme etwa einer Station der "Siedlung Neue Heimat" des berühmten Architekten Egon Eiermann in Buchen-Hettingen kommt ein Thema hinzu, das bei Gründung der Museumsstraße noch völlig undenkbar gewesen wäre: Ein Gebäude der "Eiermann-Siedlung" und somit das Thema Ansiedlung von Vertriebenen und Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg. Oder der "Kriegerhain", ebenfalls in Hellingen: So, wie hier Geschichte der Gefallenen vermittelt wird, nämlich als Mahnung zum Frieden, ist auch sie ein selbstverständlicher Inhalt einer Museumsstraße im neu verstandenen Sinne. Ganz abgesehen davon, dass Kriege in der Vergangenheit stets in der Sozialgeschichte gerade auch auf dem Land schwere Spuren hinterlassen haben.

Es mussten einige Stationen heraus genommen werden, so etwa eine Dorfschmiede in Oberdielbach, die nach dem Tod des Schmieds zum Fotoatelier wurde, und ein Milchviehbetrieb, der aufgegeben wurde.

An diesen Beispielen zeigt sich deutlich der stete gesellschaftliche Wandel. Die Museumsstraße ist eine lebendige Einrichtung, die stets auf diesen Wandel reagieren muss. Sie will nicht konservieren, was durch gesellschaftlichen Wandel vor Ort verschwindet.

Aus dieser Einsicht heraus hat sich der Verein schon 1984 entschlossen, im Rahmen der Freilandmuseumskonzeption des Landes Baden-Württemberg ein regionales Freilandmuseum zu gründen: Hier können historische Zustände festgehalten bzw. rekonstruiert werden. Das "Odenwälder Freilandmuseum", 1990 eröffnet, heute aus 16 Gebäuden bestehend, ist heute daher ein sehr wichtiger Bestandteil der Museumstrasse. Ansonsten ist es in selbständiger Trägerschaft und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der 7 baden-württembergischen regionalen Freilandmuseen.

 

Museumsstraße

Ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto unterwegs ist, der Kulturraum Badischer Odenwald soll in seiner historischen und sozialen Entwicklung unmittelbar erfahrbar und damit zum anspruchsvollen Hintergrund für den Individualtourismus werden. Die Pausen zwischen den einzelnen Besichtigungspunkten an der Museumsstraße lassen ausreichend Zeit, das Erlebte zu verarbeiten und geben dem Besucher die Möglichkeit, Verbindungslinien von der Vergangenheit zur Gegenwart zu ziehen.

Es ist nicht zu viel gesagt, die Museumsstraße als einen Vorläufer heutiger Geoparks zu bezeichnen. Auch sie bündelt ihre Besuchsmöglichkeiten systematisch und versucht, damit auch den anspruchsvollen Tourismus anzusprechen.

Die Museumsstraße kann problemlos vernetzt werden mit dem UNESCO-Geopark Bergstraße Odenwald, in welchem sie zu großen Teilen liegt.

In ihrer endgültigen Verwirklichung soll die "Museumsstraße" einmal das gesamte Badische Frankenland im Neckar-Odenwald-Kreis, im Main-Tauber-Kreis und im östlichen Rhein-Neckar-Kreis umfassen. Dem Bewohner soll dies ein Hilfsmittel zum Erkennen und Begreifen seiner Heimat sein, dem Besucher wird das Kennenlernen der Region erleichtert.

 

 

Vierte Ausbaustufe der Museumsstrasse Odenwälder Bauernhaus im Naturpark Neckartal-Odenwald fertig gestellt

 

"Die historischen Schätze, insbesondere die eher unscheinbaren Zeugnisse des Alltagslebens der Landbevölkerung, gilt es zu erhalten, zu pflegen und für die Bevölkerung und die Touristen erlebbar zu machen. Dabei will die Museumsstrasse nicht konservieren, sondern den gesellschaftlichen Wandel abbilden. So werden in der vierten Ausbaustufe auch Themen aus der jüngeren Geschichte wie beispielsweise das Schicksal der Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg aufgegriffen", sagte der Minister im baden-württembergischen Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk MdL, am Freitag (15. September), bei der Vorstellung der vierten Ausbaustufe der Museumsstrasse Odenwald in Buchen-Hettingen (Landkreis Neckar-Odenwald).

Die Museumsstrasse Odenwald liegt zusammen mit dem Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf innerhalb der Grenzen des Naturparks Neckartal-Odenwald, einer von sieben Naturparke in Baden-Württemberg. "Wir wollen mit den Naturparken eine nachhaltige, umwelt- und naturverträgliche Entwicklung der gesamten Region fördern. Ein wichtiger Schwerpunkt ist hierbei neben dem Naturschutz und der Landschaftspflege auch die Bewahrung des kulturhistorischen Erbes unseres Landes. Kulturgüter und Kulturschätze sollen für künftige Generationen gepflegt und erhalten werden, damit sich die Bevölkerung über die historischen Wurzeln der Kulturlandschaft informieren kann", betonte der Minister.

Der Naturpark Neckartal-Odenwald unterstützt das Projekt Museumsstraße seit seiner Gründung vor 25 Jahren finanziell und ideell. So sind in den letzten 25 Jahren rund neun Millionen Euro an Fördermitteln direkt in den Naturpark geflossen, insgesamt erhielten die Naturparke rund 40 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt, oder der Staatlichen Lotterie "Glücksspirale" und aus Fördermitteln der Europäischen Union.

 

Zusatzinformation:

In Baden-Württemberg wurden in den vergangenen 30 Jahren von der Landesregierung auf der Grundlage des Landesnaturschutzgesetzes (§ 23) sieben Naturparke mit einer Gesamtfläche von rund einer Million Hektar ausgewiesen. Dies entspricht rund 30 Prozent der Landesfläche (Dazu im Vergleich: im Durchschnitt gibt es in der Bundesrepublik Deutschland 93 Naturparke auf 21 Prozent der Fläche).

Unter dem Motto "Natürlich Naturparke“ veranstalten im Jahr 2006 der Verband Deutscher Naturparke und Europarc Deutschland gemeinsam das Jahr der Naturparke 2006 zum 50-jährigen Bestehen der ersten Naturparke. Schirmherr ist Bundespräsident Horst Köhler. Die Präsentation einer Ausstellung im Landtag über die baden-württembergischen Naturparke am 17. Januar 2006 durch Herrn Minister Peter Hauk MdL war der Auftakt zum Jubiläumsjahr im Land.

Weitere Informationen zu den Naturparken in Baden-Württemberg sind im Internet abrufbar unter http://www.mlr.baden-wuerttemberg.de  (Infodienst Wald, Stichwort Naturparke) und zum bundesweiten Jahr der Naturparke 2006 unter http://www.naturparke.de.