Die Odenwälder Museumsstrasse


Einbindung in den Naturpark Neckartal-Odenwald

Der Badische Odenwald ist ein Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald, der im Jahre 1980 mit Sitz in Eberbach gegründet wurde. Nach den Zielsetzungen der Naturpark-Arbeit soll die Landschaft in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten und zu einem naturnahen Erholungsgebiet ausgestaltet werden.
Dabei macht eine ehrliche begriffliche Klärung notwendig, dass es seit dem Auftauchen des Menschen in Europa hier keine Urlandschaft, sondern nur eine von eben diesem Menschen in Jahrhunderte langer Nutzung der Natur geschaffene Kulturlandschaft gegeben hat. - Spätestens hier ist die gedankliche Verbindung
der Naturpark-Idee mit den Zielen der »Museumsstraße Odenwald« erkennbar.


Wandel

Der Themenbereich war zunächst mehr auf das Aufsuchen von traditionell Dörflich-Bäuerlichem beschränkt, wurde dann aber in Stufen immer weiter ausgedehnt. Der Wandel muss mit dokumentiert werden.
Die Darstellung des Wandels überhaupt ermöglicht erst zu begreifen, wie es vom Gestern zum Heute kam.

Denn Leben im ländlichen Raum und im heutigen, vielfach urbanisierten Dorf, bedeutet schon lange nicht mehr dörfliches Leben im traditionellen Sinn. Dieses hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr aufgelöst und selbst die moderne, längst hoch technisierte Landwirtschaft ist zunehmend auf dem Rückzug.

So galt es, Objekte zu erschließen, die das gesamte Leben im ländlichen Bereich umfassen; und zwar grundsätzliche bis in die Gegenwart hinein.


Die »Museumsstraße«

Die Museumsstraße besteht seit 1981. Sie wurde als „Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus“ von dem damaligen Landtagsabgeordneten Manfred Pfaus (Buchen-Hettingen) und dem Forstdirektor Herbert Müller
† (Walldürn), in Verbindung mit dem damaligen Walldürner Bürgermeister Robert Hollerbach begründet.

Das Vorhaben wurde und wird weiter unterstützt durch zahlreiche Gemeinden der Region, durch den Neckar-Odenwald-Kreis, durch das Regierungspräsidium Karlsruhe, durch die Forstverwaltung, den Naturpark Neckartal-Odenwald, die Landwirtschaftsverwaltung, durch Denkmalpflege und Fremdenverkehrsverbände, nicht zuletzt durch die »Badische Heimat« und den Verband der Odenwälder Museen und Sammlungen. Presse, Funk und Fernsehen haben die Idee verbreitet und weitere Institutionen und Einzelpersonen zum Mitmachen animiert.


Idee und Konzept

Die Institutionalisierung einer Museumsstraße. wie sie heute noch einmalig in der Bundesrepublik Deutschland ist, stand zu Beginn einer Bewegung. die sich bemühte, die historischen „Schätze“ der näheren Heimat unter neuen Blickwinkeln aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen. Nicht zum Selbstzweck, sondern mit der Zielrichtung, ein jedermann verständliches, unterhaltsames und mit dem Aufenthalt in der freien Landschaft verbundenes Freizeit- und Bildungsangebot zu machen. Sowohl Einheimische als auch Touristen sollten damit angesprochen werden.

Es war eine Zeit, in der man zu begreifen begann, dass nicht nur Schlösser und Burgen, große Städte und Stätten zum wichtigen Kulturerbe gehören, sondern gerade auch das anscheinend unscheinbare Sachzeugnis auf dem „flachen Lande“, das seine Entstehungs- und Nutzungsgeschichte über das Alltagsleben breiter Bevölkerungskreise und damit viel erzählen kann.

Der Dorfbrunnen, die Wegekapelle, das Steinkreuz, die Küferei, der ländliche Bahnhof, die Schifffahrt - kurz, ein breites Spektrum ländlicher Sachzeugen wurde aufgespürt und zu einem Netz besuchenswerter Stationen zusammengefasst. Zu diesem Zweck hatte sich der Verein gegründet. Erläuternde Tafeln wurden aufgestellt, deren Inhalte auf intensiven Recherchen bei den Eigentümern der Stationen und in Archiven beruht.


Vierte Ausbaustufe 2006

Die 4.Ausbaustufe, die Mitte 2006 eröffnet wurde, ging diesen Weg konsequent weiter: Mit der Aufnahme etwa einer Station der ”Siedlung Neue Heimat” des berühmten Architekten Egon Eiermann in Buchen-Hettingen kommt ein Thema hinzu, das bei Gründung der Museumsstraße noch völlig undenkbar gewesen wäre: Ein Gebäude der „Eiermann-Siedlung“ und somit das Thema Ansiedlung von Vertriebenen und Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg. Oder der „Kriegerhain”, ebenfalls in Hettingen: So, wie hier Geschichte der Gefallenen vermittelt wird, nämlich als Mahnung zum Frieden, ist auch sie ein selbstverständlicher Inhalt einer Museumsstraße im neu verstandenen Sinne. Ganz abgesehen davon, dass Kriege in der Vergangenheit stets in der Sozialgeschichte gerade auch auf dem Land schwere Spuren. hinterlassen haben.

 Es mussten einige Stationen heraus genommen werden, so etwa eine Dorfschmiede in Oberdielbach,
die nach dem Tod des Schmieds zum Fotoatelier wurde, und ein Milchviehbetrieb, der aufgegeben wurde.An diesen Beispielen zeigt sich deutlich der stete gesellschaftliche Wandel. Die Museumsstraße ist eine lebendige Einrichtung, die stets auf diesen Wandel reagieren muss. Sie kann und will nicht konservieren, was durch gesellschaftlichen Wandel vor Ort verschwindet. Aus dieser Einsicht heraus hat sich der Verein schon 1984 entschlossen, im Rahmen der Freilandmuseumskonzeption des Landes Baden-Württemberg ein regionales Freilandmuseum zu gründen: Hier können historische Zustände fest- gehalten bzw. rekonstruiert werden. Das „Odenwälder Freilandmuseum“, 1990 eröffnet, heute aus 16 Gebäuden bestehend, ist daher ein sehr wichtiger Bestandteil der Museumstrasse. Ansonsten ist es in selbständiger Trägerschaft und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der 7 baden-württembergischen regionalen Freilandmuseen.

Namensänderung

Die Mitgliederversammlung des Vereins hat am 7.März 2008 beschlossen, den Vereinsnamen zu ändern in:
Odenwälder Museumsstraße
Damit erfolgte

  • die Anpassung des Vereinszwecks an die inzwischen maßgeblich erweiterten Inhalte, zu denen zwar immer noch das "Odenwälder Bauernhaus" gehört, aber eben auch zahlreiche weitere kulturgeschichtlich hoch interessante Stationen;

  • eine Anpassung an das Label "Odenwälder Freilandmuseum".


Museumsstraße

Ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto unterwegs ist, der Kulturraum Badischer Odenwald
soll in seiner historischen und sozialen Entwicklung unmittelbar erfahrbar und damit zum anspruchsvollen Hintergrund für den Individualtourismus werden. Die Pausen zwischen den einzelnen Besichtigungspunkten
an der Museumsstraße lassen ausreichend Zeit, das Erlebte zu verarbeiten und geben dem Besucher die Möglichkeit, Verbindungslinien von der Vergangenheit zur Gegenwart zu ziehen.

Es ist nicht zu viel gesagt, die Museumsstraße als einen Vorläufer heutiger Geoparks zu bezeichnen.
Auch sie bündelt ihre Besuchsmöglichkeiten systematisch und versucht, damit auch den anspruchsvollen Tourismus anzusprechen. Die Museumsstraße kann problemlos vernetzt werden mit dem UNESCO-GeoparkBergstraße Odenwald, in welchem sie zu großen Teilen liegt.

In ihrer endgültigen Verwirklichung soll die »Museumsstraße« einmal das gesamte Badische Frankenland
im Neckar-Odenwald-Kreis, im Main-Tauber-Kreis und im östlichen Rhein-Neckar-Kreis umfassen.
Dem Bewohner soll dies ein Hilfsmittel zum Erkennen und Begreifen seiner Heimat sein, dem Besucher wird das Kennenlemen der Region erleichtert.


Auflösung

Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, den Verein aufzulösen. Die Aufgabenstellung ist erfüllt. Die Auflösung ist mit Wirkung vom 31. März 2013 wirksam.